O-Töne aus Experteninterviews

Sozialarbeiter beim Jugendamt Berlin (möchte namentlich nicht genannt werden)

Überlastungsanzeige: Wir haben darauf hingewiesen, dass wir den Kinderschutz wie vom Gesetzgeber gefordert nicht mehr gewährleisten können“.
„Und was machen wir mit Jugendlichen, die Schule schwänzen, Drogen nehmen und mehr oder weniger auf der Straße leben? Die sind nicht unbedingt mitwirkungsbereit. Lassen wir die jetzt laufen? Ich finde: Nein. Immerhin sind das die Eltern von morgen“.
„Eine Kollegin meinte: Das Kind ist zwar tot, aber wenigstens haben wir eine hervorragende Dokumentation in unseren Akten“.

Wibke Franz, Sprachtherapeutin, Wesseling

„Ich kritisiere mangelnde Transparenz und Kooperation mit dem Jugendamt“.

Christa Seeliger, Richterin a.D., Bonn

Frage: Wie oft mussten Sie in Ihrem Berufsleben beobachten, dass Jugendämter aufgrund finanzieller und personeller Überlastung ihrem Auftrag nicht ausreichend gerecht werden konnten?

„Konnten sollte durch ‚wollten’ ersetzt werden, da die mangelnden Handlungsmöglichkeiten nicht auf einen Mangel an Ressourcen, sondern auf einen Mangel an Organisation, Struktur und Durchsetzungsvermögen gegenüber der eigenen Kommune als Geldgeber zurück zu führen sind“.

„Jugendämter greifen häufig zu spät wirksam ein, weil sie zu lange auf die Mitwirkung der Eltern bauen“.

Ärztin an der Kinderklinik Köln (möchte namentlich nicht genannt werden)

„An Universitäten ist Kindesvernachlässigung kein unbedingter Studieninhalt“.

Günther Knopp, Gesamtleiter der KiTa gGmbH, Koblenz

„Wir sind für solche Fälle (Kindeswohlgefährdung) nicht ausgebildet und weisen ein Experten-Dasein in dieser Sache von uns. Das Jugendamt sieht jedoch weiterhin die Verantwortung bei der Kita und beruft sich auf den Beratungsschwerpunkt der Fachkräfte“.

„Die Forderungen an die Träger werden immer erheblicher, ohne die dafür bestehenden Rahmenbedingungen zu verbessern“.

Zwei Lehrerinnen an einer Förderschule, Frechen

„Kinder, die schweren Belastungen ausgesetzt sind, die vernachlässigt, misshandelt werden, haben es in der Regel sehr schwer, sich auf schulische Lerninhalte einzulassen“.

„Unserer Meinung nach können Jugendhilfe und Förderschule erst dann effektiv miteinander arbeiten, wenn Jugendhilfe vor Ort bei den Kindern arbeitet.“

Cornelia Schulte-Schilling, Gesamtschullehrerin, Köln

Frage: Was müsste Ihrer Meinung nach in Politik und Jugendarbeit geschehen, damit Kinder besser geschützt werden?

„Zunächst muss die Jugendhilfe einem flächendeckend professionellen Anspruch gerecht werden können: vielerorts sind Familienhelfer nicht gut ausgebildet und vielfach überfordert. Man muss verstärkt miteinander kommunizieren und engagierte Öffentlichkeitsarbeit leisten.“

„Im Verein „Jede Woche 3“ weisen wir darauf hin, dass die Unterbringung entlang fachlicher Standards gewährleistet und nicht von Sparmaßnahmen diktiert werden sollte.“