Dieser Artikel stammt aus der "Altenaer Rundschau" vom 20. Oktober 2009. Den Artikel finden Sie im Original auf derwesten.de.
Eltern sind fürs Kind ein größeres Risiko als Autos
Altena. Der Verein heißt „Jede Woche 3”. Der Name fasst die schreckliche Nachricht zusammen, dass in Deutschland pro Woche drei Kinder unter sechs Jahren durch Misshandlungen im Elternhaus sterben.
„Das sind mehr Fälle als im Straßenverkehr”, betont die Vorsitzende Dr. Kathinka Beckmann. Sie kommt aus Altena, lehrt an der Fachhochschule Koblenz und wohnt jetzt in Düsseldorf. Sie besucht regelmäßig ihre Heimatstadt.
„Kinder schützen – Jugendhilfe stärken”, so lautet der Titel der Resolution, die „Jede Woche 3” im Bundesfamilienministerium abgegeben hat. Neben Dr. Beckmann gehören drei weitere Altenaer zu den Unterzeichnern: Prof. Dr. Daniela Braun (ebenfalls Fachhochschule Koblenz), Diplom-Pädagogin Wibke Franz und Daniel Hannig. Jetzt will der Verein eine zweite Welle von Unterschriften sammeln: Möglich ist das auf der Internetseite www.jedewoche3.de
Dr. Kathinka Beckmann vertritt die These, dass der Schutz von Kindern durch den Sparzwang in kommunalen Haushalten beeinträchtigt wird. Passend dazu heißt es in der Resolution ihres Vereins: „Oft entscheiden Jugendämter nach Finanzlage und nicht nach fachlichem Bedarf.”
Wolfgang Friess, Fachbereichsleiter Jugend im Rathaus, widerspricht der These vor allem beim wichtigen Thema „Unterbringung”. „Dafür haben wir immer das nötige Geld bekommen”, sagt er, „es gab nie einen Sparzwang.” Derzeit bearbeitet sein Bereich 49 Fälle von Kindern und Jugendlichen, die aufgrund von Problem im Elternhaus in anderen Familien (30) oder in Heimen (19) untergebracht wurden. Dafür gibt die Stadt 2009 voraussichtlich 1,1 Millionen Euro aus. „Fallzahlen und Ausgaben sind in den vergangenen Jahren gestiegen”, beschreibt Friess die Entwicklung, die es bundesweit gibt.